Januar 2007  8

Bauerngärten – Nostalgische Gärten mit Schönheit und Nutzen

Durch die zunehmende Verstädterung in unseren Breiten legen viele Menschen heute wieder erhöhten Wert auf naturnahe Erholungsmöglichkeiten, vorzugsweise im eigenen Garten, der neben der Erholung durch Ruheplätze auch in der Gartenarbeit einen körperlichen Ausgleich zum Berufsleben bieten kann. Besonderer Beliebtheit erfreut sich dabei der klassische Bauerngarten.

Ursprünglich wurde er als reiner Nutzgarten angelegt, der die bäuerliche Großfamilie ernähren sollte und durch die zweckgemäße Kombination von Gemüse, Kräutern und anderen Heilpflanzen das alltägliche Leben erleichterte. Bauerngärten versprühen durch ihre besondere Kombination aus Nutzen und Schönheit einen ganz eigenen Charme, und so mancher mag sich an eine ländliche Kindheit erinnert fühlen, wenn er zwischen den Beeten wandelt.
Auffälligstes Merkmal in „Großmutters Garten“ ist eine genaue, praktische Aufteilung und klare Linienführung. In streng geometrischer Form wird bei einem Bauerngarten ein quadratisches oder rechteckiges Beet abgesteckt und im Querschnitt in kleinere Vierecke aufgeteilt. Durch diese Handhabung wird Platz gespart und eine gute Erreichbarkeit jedes einzelnen Pflänzchens herbeigeführt. Eine ausgewogene Mischkultur aus Blumen, Kräutern und Gemüse wird für jedes Beetteil ausgewählt, so dass deren einzelne Pflanzen einander unterstützen und schützen. So pflegen beispielsweise Beifuss und Ysop mit Kohlgemüse ebenso eine gute Nachbarschaft wie Dill, Kerbel und Koriander mit Möhren, zu denen sich auch gerne Zwiebeln gesellen dürfen.
Diese Handhabung wird heute auch in der natürlichen Schädlingsbekämpfung gerne angewandt, indem man beispielsweise Schnittlauch zwischen Rosenbüsche pflanzt oder Basilikum direkt zwischen den Tomatenpflanzen. Auf diese Art kann man ganz ohne chemische Keule die Abwehrkräfte der Pflanzen stärken und das Wachstum positiv beeinflussen.
Ein heute typisches Merkmal für den Bauerngarten entwickelte sich im Mittelalter. Durch Regenfälle wurden die nicht befestigten Beetränder und Wege verschwemmt. Daher ging man dazu über, die Beete mit kleinen Hecken aus Buchsbaum einzufassen. Ein zusätzlicher Nutzen entsteht dabei auch durch den Wind- und Kälteschutz für die Kräuter, welcher später insbesondere auch den „exotischen Zuwanderern“ wie mediterranen Kräutern und Lilien zugute kam. An den Buchshecken entlang tragen heute oft Kieswege oder Steinplatten und nicht zuletzt nostalgisch anmutende Holzzäune zu einem harmonischen Gesamtbild bei.
Ist genügend Platz vorhanden und der Bauerngarten entsprechend groß angelegt, empfiehlt sich die Gestaltung eines zusätzlichen zentralen Blickpunktes. Wunderschön machen sich hier eine große Staude oder auch eine einfache Sitzgelegenheit wie eine Holzbank, die neben dem optischen Genuss einen Platz zum Verweilen und Entspannen zwischen den Kräutern bietet.

   Autor: Sabrina Kirsten
E-Mail: waldweiblein[at]herbaversum.de
 
 
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